Pulsförmige Belastungsströme sind in der Elektronik sehr häufig. Im Allgemeinen sind sie für die Sicherung unproblematisch, wenn bei der Sicherungsauswahl wichtige Details berücksichtigt wurden.

Bei Einzelpulsen ist der I²t-Wert wichtig, bei pulsförmigen Dauerströmen ist die Berechnung des Effektivwertes entscheidend, und allgemein sollte die Nennstromverschiebung durch eine mögliche Verstärkung der Alterung berücksichtigt werden. Ein wichtiges, u.U. lebenswichtiges Detail bleibt jedoch häufig unberücksichtigt: Die mechanische Wirkung hoher Stromdichten durch einen Strompuls auf den Schmelzleiter. Betroffen sind hier besonders Schmelzleiterdrähte die zu einer „Spule“ gewickelt sind. Diese sogenannten „Wickelschmelzleiter“ sind seit etwa 100 Jahren bekannt, aber erst in den letzten 25 Jahren verstärkt im Einsatz. Um für eine träge It-Charakteristik einen möglichst massiven Draht in der Sicherung unterzubringen, wird er zur Widerstandserhöhung häufig auf einen Träge gewickelt. Damit entsteht eine Konstruktion mit vielen parallelen Leitern, die sich bei hohen Pulsamplituden mechanisch anziehen. So kommt es zu Windungsschlüssen.

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Die dazu notwendige Kraft ist von der Höhe der Stromamplitude, dem Abstand der Leiter und der Haftung des Drahtes auf dem Wickelträger abhängig. Grundsätzlich lässt die Anziehungskraft sich berechnen:

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Ihre Auswirkung ist jedoch stark von der Haftfestigkeit des Drahtes auf dem Wickelträger abhängig. Der Effekt ist bisher bei Sicherungen, bzw. Schmelzleitern nur wenig bis gar nicht untersucht. Von daher möchte ich mich hier auf fotografisch dokumentierte Ergebnisse beschränken, die lediglich mögliche Auswirkungen zeigen. Die folgenden Bilder zeigen eindrucksvoll Schmelzleiter, die mit Pulsen wie sie im Telekommunikationsbereich vorkommen, belastet wurden.

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(Quelle: private, eigene Untersuchungen)

Das linke Bild zeigt einen Schmelzleiter mit Sn-Auflage nach dem Puls. Der direkte Kontakt der Drahtwindungen wird hier noch durch Sn-Brücken verstärkt. Die Gefahr dieses Effektes besteht darin, dass die sich daraus ergebende Nennstromerhöhung (Inneu>In*2) völlig unbemerkt bleibt und erst im Fehlerfall zu unangenehmen Folgen führen kann. Der beabsichtigte und geplante Schutz ist völlig verloren. In wieweit andere, schwächere Pulse sich auswirken ist - soweit mir bekannt - nicht untersucht. Natürlich sind Sicherungen mit fixiertem Schmelzleiter entwickelt worden und patentiert und somit möglich, aber sie sind nicht Standard – leider.